So, nun wird es langsam Zeit, dass ich meinen ersten Bericht erstatte. Damit der geneigte Leser weiß, mit wem er es zu tun hat, werde ich mich zunächst einmal vorstellen:
In meiner Geburtsurkunde steht – Chakotey von Anyuak -, geboren wurde ich am 14. Oktober 2008 in Altenburg. In meiner Familie ist es üblich, dass man mit etwa 12 Wochen in die Welt hinaus geht und sich ein Aufgabenfeld sucht. Meine Aufgabe besteht darin, in Berlin bei Familie Krischewski das Leben zu erkunden.
Angekommen bin ich am 10. Januar 2009. Mein Personal aus Thüringen hat mich persönlich zu meinem neuen Betätigungsgebiet gebracht. Hier habe ich mir den Decknamen „Leo“ zugelegt und bin nun als Leo Krischewski bekannt. Mein erster Eindruck war etwas zwiespältig. Viele neue Gerüche und alles war anders als gewohnt, aber in meiner Familie gibt es keine Angsthasen und Jammerlappen, schließlich gilt auch für mich der Spruch „Adel verpflichtet“. Das neue Personal hatte sich Mühe gegeben, mir einen standesgemäßen Empfang zu bereiten. Es gibt einen riesigen Kratzbaum, damals war es für mich nicht so einfach da herauf zu kommen, inzwischen ist das ein Kinderspiel. Mehrere kuschelige Plätze, Spielzeug und ein Katzenklo habe ich auch gleich entdeckt. Auf Nachfrage – heftiges Mauzen, denn ich hatte Hunger – wurde mir auch gezeigt, wo ich speisen kann. Mein erster Eindruck war – es ist alles angemessen und ich konnte ich mein Thüringer Personal huldvoll entlassen und die Ausbildung meines neuen Personals beginnen. Nennen tun sich die beiden Herrchen und Frauchen (die glauben ernsthaft, dass sie das sind – hahaha), also tue ich ihnen den Gefallen und gebe vor, sie als solche anzuerkennen. Man muss diplomatisch sein.
Bereits am folgenden Tag begann ich mit Veränderungen. Das Katzenklo neben meinem Kratzbaum fand ich nicht so schön, also veranlasste ich Herrchen, einen neuen Platz zu suchen. Gemeinsam entschieden wir uns für das Bad und damit ich jederzeit Zugang habe, hat er ein Loch in die Tür geschnitten. Das hat große Vorteile für mich. So kann ich immer kontrollieren, was die Zweibeiner machen, wenn sie hinter dieser Tür verschwinden und mir auch dort meine Streicheleinheiten holen, wenn mir danach ist. Wenn mein Personal nachts aus dem geschlossenen Raum kommt und ins Bad geht, bin ich sofort zur Stelle, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. Und in Ordnung ist alles, wenn ich meine Schmuseeinheiten auch dann bekomme, wenn mein Personal auf der Personaltoilette eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt ist. Ich habe beobachtet, dass die Zweibeiner nach dem Toilettengang nicht scharren, sondern einen Knopf drücken und dann macht es Krach. Meine Versuche nachzusehen, was dann dort geschieht, waren bisher leider erfolglos. Die Zweibeiner haben mich daran gehindert. Sie klappen immer ganz schnell den Deckel zu – verstehe ich nicht. Aber das werde ich noch auskundschaften.
Ich habe noch eine Menge Arbeit vor mir, bis ich mein Personal richtig erzogen habe. Aber mehr beim nächsten Mal.
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